Wie steht es um E-Learning in Deutschland?

Lukasz Gawrys
Lukasz Gawrys
25. Juli 2016

Die Digitalisierung der Bildung ist ein Phänomen, das bereits Veränderungen in allen Facetten des Lernens – von frühkindlicher Bildung zu lebenslangem Lernen- angestoßen hat. Dennoch vollzieht sich der Wandel nicht gleichmäßig, da unterschiedliche Bedingungen in den einzelnen Bereichen diesen begünstigen oder lähmen. Ein kleiner Überblick fasst den Status Quo des E-Learning in Deutschland heute zusammen:
Gestiegener Zeit-, Globalisierungs- und Kostendruck hat Weiterbildungsangebote für Corporate
E-Learning rasant wachsen lassen: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger
wird der Markt für Corporate E-Learning bis 2017 um ca. 13% pro Jahr wachsen. Rund drei
Viertel der Unternehmen in den USA nutzen bereits E-Learning Angebote – in Deutschland liegt
der Anteil etwa bei 65% der Unternehmen. Der Markt für Online Learning im Unternehmen
ist noch stark fragmentiert und bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Plattformen und
Konzepte. So können sich Teilnehmer von integrierten Lernangeboten durch Online-Module orts- und zeitunabhängig gemäß ihrem eigenen Lerntempo selbst weiterbilden. Integrierte Blended Learning Konzepte verbinden die Vorteile des Online- sowie Präsenzlernens und intelligente Datenbanksysteme helfen dabei, gesammeltes Wissen intern zu speichern und dem Personal verfügbar zu machen.
Auch Hochschulen haben bereits den Vorteil online-basierten Lernens entdeckt. Digitale Plattformen wie Lernmanagement-Systeme (LMS) bieten hier oft die Grundlage für alle E-Learning Prozesse. Diese Systeme ermöglichen die Verteilung von Inhalten, die Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden und Organisation von administrativen Abläufen. Allerdings beruhen viele E-Learning gestützte Instrumente an deutschen Hochschulen oftmals auf Einzelinitiativen. Fehlende Personalressourcen, Geldmangel und ein bisher hoher Betreuungsaufwand stehen einer schnellen Ausbreitung von E-Learning an Hochschulen weiterhin im Weg. Einen Ausweg sehen Experten sowie Hochschulen darin, sich mit anderen Hochschulen zu vernetzen, um z.B. E-Learning Inhalte auszutauschen.

Die geringste Verbreitung von E-Learning Instrumenten findet sich ausgerechnet an deutschen Schulen wieder: Beim digitalen Lernen liegen deutsche Schulen im internationalen Vergleich weit zurück. Nur 6,5% der deutschen Achtklässler besuchen eine Schule, in der Tablets für den Unterricht eingesetzt werden. In der Vergleichsgruppe der teilnehmenden EU-Länder sind es 15,9%, in Australien sogar 63,6%. Die Gründe für eine nur mäßige Nutzung von computergestütztem Lernen im Unterricht sind vielfältig. Deutschen Schulen mangelt es zum Einen an ausreichender technischer Ausstattung. Auf einen Computer kommen in Deutschland 11,5 Schüler, damit liegt Deutschland im Mittelfeld bei den EU-Ländern. Norwegische Schulen hingegen sind deutlich besser ausgestattet: Hier kommen im Schnitt 2,4 Computer auf einen Achtklässler. Rund 16% der deutschen Klassenzimmer sind mit einem interaktiven Whiteboard ausgestattet, doch oft fehlt es an kompatiblen Softwarelösungen für alle Endgeräte sowie an ausreichenden Know-how beim Lehrpersonal, wie sich interaktive Whiteboards sinnvoll nutzen lassen. Um digitale Lernkonzepte an deutschen Schulen zu etablieren, wäre demnach eine Ausweitung der technischen Ausstattung, eine Verbesserung des Angebotes von Lernsoftware Lösungen und Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrpersonal notwendig.